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Andacht

Buße nicht nur am Bußtag
 

Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. (Lukas 15,10) Der Monatsspruch für Oktober 2017 knüpft direkt an die 1. These an, die Martin Luther vor 500 Jahren formuliert hat: Als unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“, wollte er, dass das ganze Leben der Glaubenden Buße sei.
Buße hat einen grauen Klang. Das Wort schmeckt nach Sack und Asche. Es überdeckt die stärkenden, fröhlichen, farbigen Momente des Glaubens. „… ich armer, elender sündiger Mensch …“, so begann in der Gemeinde meiner Kindheit mit einem allgemeinen Beichtgebet jede der beiden Abendmahlsfeiern im Jahr.
Diese Feiern waren sehr ernste Angelegenheiten, ging es doch darum, als gerechtfertigter Sünder das Mahl im rechten Glauben zu empfangen.
Man mag sich vielleicht gar nicht als so arm und elend empfinden, wie es im Beichtgebet gesagt wird, aber können wir das Attribut „sündig“ auch einfach vom Tisch wischen? In seiner Bedeutung als „getrennt von Gott“ wohl kaum.
Es gehört zu den Merkwürdigkeiten unserer Existenz als Geschöpfe Gottes, dass wir immer wieder versuchen, uns aus der Beziehung zu unserem Schöpfer zu lösen. Dabei geht es gar nicht um die Menschen, die sich als Atheisten bezeichnen und darum gar keine Beziehung zu Gott haben (wollen).
Es gehört zu den Merkwürdigkeiten unserer Existenz als Glaubende, dass wir nicht frei sind von einer Abkehrbewegung weg von Gott, hin zu unseren eigenen Interessen, Vorteilen oder Vorurteilen. Nicht das Sitzen bei einem Stück Torte ist Sünde, sondern unsere Bewegung weg von Gott. Diese Bewegung geschieht überall da, wo wir leben, als gäbe es Gott nicht. Das geschieht, wenn wir beziehungslos leben. Eine Beziehung lebt davon, dass ich z.B. einen anderen Menschen im Blick habe, seine Interessen, Ansichten, Abneigungen oder Vorlieben zu meinen Positionen ins Verhältnis setze.

So ist es auch mit der Beziehung zu Gott. In welchem Verhältnis steht das, was ich tue, zu Gottes Willen, der sich in den Geboten und im Evangelium zeigt? Vertraue ich darauf, dass Gott mich hält oder vertraue ich lieber auf meine eigenen Sicherheiten?
Manchmal spüre ich, wie ich von Gott getragen bin und ich habe auch das Gefühl, einigermaßen vertretbar zu handeln. Dann fühle ich mich gut und mit Gott und der Welt im Einklang. Aber das ist eben nicht immer so. Manchmal hat man das Gefühl, dass Gott schweigt. Trägt er mich wirklich? Kann ich mich auf ihn verlassen – oder bin ich verlassen? Dann baue ich meine Sicherheiten in das Leben ein, dann stelle ich meine Interessen in den Vordergrund, dann steht die Sorge um mich im Mittelpunkt und das wichtigste Gebot ist vergessen. Das ist der Zustand, den wir Sünde nennen.
Die gute Nachricht ist: Gott hat uns einen Indikator dafür gegeben, diesen Zustand zu erkennen: das Gewissen. Es ist so eine Art Warnleuchte, die angeht, wenn etwas nicht stimmt. Die zweite gute Nachricht ist: Wenn sich das Gewissen regt, ist es nicht zu spät. Bei Gott ist es nie zu spät. Wenn die Warnleuchte angeht, dann ist es geboten, das Lenkrad umzudrehen und dem Leben eine neue Richtung zu geben.
Dieses Bild beschreibt etwa, was Buße ausmacht. Sie ist nicht grau und hat auch nichts mit Sack und Asche zu tun, sondern mit Mut: Mut, das Ruder herumzureißen. Sie hat mit Vertrauen zu tun: Vertrauen darauf, dass ich bei Gott neu anfangen kann. Sie hat immer wieder mit Aufbruch zu tun: Aufbruch in die eine Richtung, die das Leben nur haben kann. Wir wissen aus den eigenen Erfahrungen: Es fehlt oft am Mut, am Vertrauen und der Kraft zum Aufbruch. Buße braucht auch Energie.
Wo immer diese Energie aufgebracht wird, zur Verfügung steht, geschenkt wird, geschieht etwas sehr Schönes: Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes. Da ist etwas wieder auf einen guten Weg gekommen, ein Neuanfang ist gewagt, wieder hat ein Mensch, ein Geschöpf die Verbindung zum Schöpfer entstört.
Luthers These 1 unterstreicht, dass Buße kein allein stehender Akt ist, kein Ereignis, das ein für alle Mal geschieht, wie etwa die Taufe. Buße ist ein Prozess, der das ganze Leben begleitet. Es braucht immer wieder neuen Mut, neues Vertrauen, neue Kraft, um die Verhältnisse in Ordnung zu bringen, um die Beziehung zu Gott zu erneuern, eine ausgeschlagene Hand neu zu ergreifen.

Karsten Müller

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Impressum & letzte Änderung am 25.09.2017 durch webmaster