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Andacht

Wo soll ich dich suchen?
 

Noch ist Passionszeit. Noch verfolgen wir Jesu Weg nach Jerusalem – seinen Weg an das Kreuz und in den Tod. Der Monatsspruch für den April blickt jedoch schon auf Ostern voraus und damit auf das, was nach Jesu Tod geschieht: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ (Lukas 24,5-6)
Nach Jesu Tod suchen die Frauen ihn im Grab. Sie sind bekümmert, weil sie ihn nicht finden. Er hätte da sein müssen – da, wo man ihn bestattet hatte. Hier wollten sie wieder hinkommen und sich um seinen Leichnam kümmern, ihn waschen und salben. Jetzt aber ist da niemand. Das Grab ist leer und ihre Suche erfolglos.
Eine erfolglose Suche: Ich kenne das. Ich weiß ganz genau, wo ich sie finden kann. Ich habe mich mit einer Freundin verabredet und bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sie aber kommt nicht. Vielleicht habe ich mich ja doch geirrt? Ich ziehe das Handy aus der Tasche und überprüfe in meinen Nachrichten noch einmal Zeit und Ort. Hier muss es sein. Allmählich werde ich ungeduldig, weil ich sie auch nicht erreichen kann. Ich laufe die Straße auf und ab, spähe in Innenhöfe und um die nächste Straßenecke. Doch meine Verabredung kommt nicht.

In der biblischen Geschichte von den Frauen am Grab taucht in dem Moment jemand auf, der mehr weiß. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden“, sprechen zwei Männer in glänzenden Kleidern zu den Frauen am Grab. „Und damit ist eingetreten, was Jesus euch doch schon gesagt hatte. Erinnert ihr euch nicht? Die Zeit ist die richtige, um Jesus zu suchen: Drei Tage nach seinem Tod. Aber der Ort – Fehlanzeige. Nicht da, wo ihr denkt, ist Jesus zu finden.“
Den Frauen am Grab ging es da also so ähnlich wie mir mit meiner Verabredung. Gerade deshalb wundert es mich, dass sie sich gar nicht wundern. Ich habe mich damals sehr gewundert. Mich wundert auch, dass in der Geschichte niemand fragt, wo Jesus ist. Wissen die Frauen denn, was das heißt: „Er ist auferstanden“? Ist ihnen gleich klar, was mir so schwer begreiflich ist? Im Grab ist Jesus nicht. Tot ist er nicht. Aber wo ist er dann? Wo soll ich ihn suchen?
Die Evangelien erzählen davon, dass es nicht die Jünger und Jüngerinnen sind, die Jesus weiter suchen und ihn finden. Stattdessen kommt er zu ihnen. Er begegnet den Jüngern, die auf dem Weg nach Emmaus sind. Er zeigt sich dem ungläubigen Thomas. Beim Essen kommt Jesus zu ihnen, auf dem Weg, im Alltag. Er kommt zu denen, die seine Abwesenheit betrauern. Er kommt zu denen, die Angst vor dem haben, was kommt. „Er ist nicht hier.“ Das heißt, Jesus ist bei den Menschen. Der Lebende ist nicht bei den Toten, sondern bei den Lebenden zu finden. Er ist bei den Menschen, die nach seinem Tod weiterleben. Er begegnet denen, die ihr Leben leben. Er kommt zu denen, die leben – weil er lebt.

Sabine Weigel

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Impressum & letzte Änderung am 07.04.2017 durch webmaster